Themenzentrierte Interaktion (TZI)

Der Fachbegriff Themenzentrierte Interaktion geht zurück auf die Ruth Cohn, die selbst allerdings den Ausdruck Lebendiges Lernen (»Living Learning«) bevorzugte. Cohn entstammte einem jüdisch-christlichen Elternhaus und erlebte die Judenverfolgung und Emigration. Nach einem Psychologiestudium sowie einer Ausbildung zur Psychoanalytikerin propagierte sie in den 1950er und 1960er Jahren einen sogenannten »dritten Weg« zwischen Psychoanalyse und Behaviourismus. Weitere Anregungen zu Ihren Arbeiten erhielt Sie durch Vertreterinnen und Vertreter der Gestalttherapie sowie der Gespräch- und Gruppenpsychotherapie.

Cohns Konzept basiert auf den Axiomen, dass der Mensch autonom (Autonomie) und gleichzeitig als Teil dieser Welt mit ihr verbunden ist, Respekt allem Lebendigen (Wertschätzung) entgegenbringt und innerhalb seiner Grenzen frei entscheiden kann, wobei die Grenzen sich verschieben können (Grenzen erweitern). Aus diesen drei Axiomen werden Postulate abgeleitet, dass man die Chairperson seiner selbst sein solle und Störungen sowie leidenschaftliche Gefühle immer Vorrang haben sollten. In der Gruppe ist man dazu aufgefordert, Störungen anzusprechen und offenzulegen.

Das TZI-Modell wird verstanden als ein Modell zur Beschreibung von Wirklichkeit. Es besteht aus den Elementen

  • ICH (einem Individuum),
  • WIR (dem Beziehungsgefüge der Gruppe),
  • ES (die Sache, um die es geht) sowie dem
  • GLOBE (das heißt, aus dem gesamten Umfeld der Gruppensituation in organisatorischer, politischer, wirtschaftlicher Hinsicht und in Bezug auf viele weitere Einflüsse).

Die Elemente des Modells symbolisiert das sogenannte TZI-Dreieck oder auch Vierfaktorenmodell:

Die Axiomatik des TZI-Konzepts von Cohn, das auch unter dem Schlagwort »Humanistische Psychologie« verhandelt wird, basiert auf rationaler Überzeugung einer Idee jüdisch-christlicher bzw. ethischer Nächstenliebe (»Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst«). Cohn äußerte sich dazu:

Das einzig Neue war wohl, dass ich sie [die Axiomatik] explizit als Grundlage in eine therapeutische und pädagogische Systematik integriert habe [...] Das, was ich Humanum nenne, der Respekt vor allem Leben und speziell für die Menschen, kann religiös begründet werden oder auch nur ethisch. Das muss jeder für sich selbst entscheiden [...]
Die Frage von Werten und Zielen muss immer der Frage nach der Methode vorausgehen. Die Frage der Effizienz kann nur beantwortet werden, wenn ich voraussetze, für was ich effizient sein will. Die Effizienz der ›Gaskammern‹ bleibt ja unbestritten. Ich halte die Frage nach der Effizienz des Profitmachens nur dann für sinnvoll, wenn wir uns klarmachen, welche Werte wir mit Profit verbinden. Sonst sind wir genauso kurzsichtig wie im Jahre 1933, als die Leute sagten: ›Das ist alles gar nicht so schlimm, die Nationalsozialisten interessieren uns gar nicht.‹ Wenn Menschen mich fragen: ›Können wir es uns leisten, Konkurrenz hochkommen zu lassen?‹, frage ich: ›Können wir es uns leisten, ein Drittel der Menschheit verhungern zu lassen?‹

Zitiert nach:

  • Friedrich Ewert, Themenzentrierte Interaktion (TZI) und pädagogische Professionalität von Lehrerinnen und Lehrern, Wiesbaden 2008, S. 21 und
  • Interview mit Ruth Cohn (20.09.2020).

Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE
Quelle: elmu.online, Artikel »Themenzentrierte Interaktion (TZI)«, https://elmu.online/articles/schule-lehren-didaktik-modelle-themenzentrierte-interaktion, 22.01.2021, 15:06
Bearbeitungen durch: ulrich-kaiser