Musiktheoretisches Propädeutikum: Tutorial 2 – Grundlagen Musiklehre II

Oktavlagen, Schlüsselung, Notenwerte, Taktarten – PDF


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Darstellung des Tonraums

Oktavlagen und Stimmfächer
Bezeichnung der Oktaven nach Hermann von Helmholtz, Die Lehre von den Tonempfindungen (1896):
Subkontraoktave, Kontraoktave, große Oktave (C), kleine Oktave (c), eingestrichene (c1) bis fünfgestrichene Oktave (c5)
Richtwerte für den Umfang (Ambitus) von Chorstimmen: Bass F — c1 | Tenor c — f1 | Alt f — c2 | Sopran c1 — f2

Umfang der Klaviatur und Oktavlagen


Schlüsselung im Fünfliniensystem

C-Schlüssel – markiert das c1
Historisch am ältesten (Guido von Arezzo, 11. Jahrhundert), markiert die Position eines Tons oberhalb eines Halbtonschritts
Sopranschlüssel: erste Linie | Mezzosopranschlüssel: zweite Linie | Altschlüssel: dritte Linie | Tenorschlüssel: vierte Linie

F-Schlüssel – markiert das f
Baritonschlüssel: dritte Linie | Bassschlüssel: vierte Linie

G-Schlüssel – markiert das g1
Violinschlüssel (ab dem 13. Jahrhundert): zweite Linie, auch oktaviert für Tenorstimmen

Gebräuchlichste Schlüssel (G, C, F)


Metrum, Takt, Rhythmus

Metrum = gleichmäßige Pulsfolge, unterscheidet schwere (betonte) und leichte (unbetonte) Zählzeiten bzw. Schläge
Takt = Gliederungseinheit für den musikalischen Zeitverlauf, definiert als Vielfaches einer Zählzeit bzw. eines Grundschlags
Rhythmus = Abfolge konkreter Notenwerte bzw. Betonungsmuster, das den Charakter eines Musikstücks prägt
Auftakt = Beginn auf der letzten Zählzeit bzw. mit einem unvollständigen Takt; die Zählung beginnt mit dem erstem vollständigem Takt
Synkope = Überlagerung einer betonten Zählzeit durch einen auf unbetonter Zählzeit beginnenden langen Notenwert
Polyrhythmik = verschiedene Rhythmen mit gleichem Grundschlag erklingen gleichzeitig in mehreren Stimmen
Polymetrik = verschieden lange Grundschläge überlagern sich in mehreren Stimmen

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Demonstration zu den Begriffen Metrum, Takt und Rhythmus (in zeitlicher Abfolge)


Bezeichnungen für Tondauern

Modalrhythmik (13. Jahrhundert)
Differenzierung zwischen longa (lange Note) und brevis (kurze Note)
Nur bestimmte Dauernschemata bzw. Patterns sind darstellbar, exakte Verhältnisse von Tondauern können nicht fixiert werden

Mensuralnotation (schwarze ab dem 13. Jahrhundert bei Franco von Köln, weiße ab dem 15. Jahrhundert)
Proportionen von Tondauern können erstmals exakt festgelegt werden
Lange Notenwerte sind zwei- oder dreizeitig (tempus imperfectum oder tempus perfectum)
Schema von Notenwerten: longa, brevis (Doppelganze), Ganze, Halbe, Achtel, Sechzehntel, Zweiunddreißigstel, Vierundsechzigstel

Moderne Notenwerte
Punktierung zB: Halbe mit Punkt, Viertel verlängert einen Notenwert um seine Hälfte
Doppelte Punktierung zB: Halbe mit zwei Punkten, Achtel verlängert einen Notenwert um drei Viertel seines Werts
Umgekehrte Punktierung zB: Viertel, punktierte Halbe auch: lombardischer Rhythmus
Haltebogen zB: Halbe + Achtel = punktierte Halbe beliebige Verlängerungen durch Addition möglich; kurze Werte werden an lange angehängt

Taktarten

Zweizeitige Taktarten Dreizeitige Taktarten Vierzeitige Taktarten
binäre Unterteilung 2/4, 2/2 (₵) 3/8, 3/4, 3/2 4/8, 4/4 (C)
ternäre Unterteilung 6/8, 6/4 9/8, 9/16 12/8 etc.
asymmetrische Taktarten zB: 5/4 = 2/4 + 3/4
Die Mensurzeichen C und (alla breve) wurden aus der Mensuralnotation beibehalten.

AUFGABEN

(1) Bearbeiten Sie das Arbeitsblatt 2 mit einigen zu den Inhalten des Tutorial 2 korrespondierenden Übungen.
(2) Bearbeiten Sie ergänzend das Übungsblatt A mit Aufgaben zum Bestimmen und Notieren von Tönen.