Scribus (Kurzanleitung)

im Einsatz für ein Filmprojekt

Eine PDF-Datei dieser Kurzanleitung zum Ausdrucken finden Sie hier und das Programm können Sie sich hier herunterladen.

Dokument einrichten

Wenn man Scribus für ein Filmprojekt nutzen möchte, sind einige Voreinstellungen sinnvoll:

Unter den Dokumenteigenschaften (Datei –> Dokument einrichten... –> Allgemein) können Sie die Breite und Höhe der Seite bestimmen und unter Ränder & Anschnitt, ob ihr Dokument Ränder und einen Anschnitt haben soll. Werden die Folien später als PNG-Dateien exportiert, erzeugt das bei einem Seitenverhältnis von 16:9 die folgenden Ausgaben:

Als Format für die exportierten Bilder empfiehlt sich das PNG-Dateinformat, da es ein Speichern mit transparentem Hintergrund ermöglicht, was in einem Film-Editor darunter liegende (Shotcut) oder darüber liegende Bilder (Magix) durchscheinen lässt. Hierzu muss nur in dem Dialog (Abbildung oben) ein Haken bei der Checkbox »kein Hintergrund« gesetzt werden. Um flüssig in Scribus arbeiten zu können, empfiehlt es sich, die »Eigenschaften« (F2) und die »Texteigenschaften« (F3) dauerhaft einzublenden (weil man diese wichtigen Fenster sehr oft benötigt).

Text- und Bildrahmen

Wenn Sie in dem leeren Scribus-Dokument Text und Bilder (Rastergrafiken) anzeigen wollen, benötigen Sie dazu einen Rahmen (Text- bzw. Bildrahmen). Im Gegensatz zu Schreibprogrammen, in denen Sie scheinbar direkt auf eine weiße Fläche schreiben können, werden in einem Desktop-Publishing-Programm (DTP) Texte und Bilder in Containern abgelegt. Der Vorteil: Container lassen sich anschließend frei auf der weißen Fläche verschieben:

Drücken Sie die Taste ›t‹ (Text) oder wählen Sie das Text-Icon in der Symbolleiste. Ziehen Sie mit der Maus einen Container für Text auf. Wenn Sie in den Text-Container doppelt klicken, erscheint der Cursor und Sie können wie gewohnt Text schreiben. Drücken Sie nach der Text­eingabe ›esc‹ oder klicken Sie neben dem Container auf eine weiße Stelle: Nun lässt sich der Textcontainer mit der Maus anfassen und auf der weißen Fläche verschieben.

Die Eigenschaften eines Textes (Größe, Farbe und viele weitere Effekte) können Sie in dem gleichnamigen Fenster einstellen. Sollte ein benötigtes Fenster nicht sichtbar sein, lässt es sich über den Fenster-Dialog oder über ein Shortcut (F2, F3, F6) öffnen.

Einen Bild-Container erstellen Sie durch Drücken der Taste ›i‹ (Image) und Aufziehen eines Rahmens. Einen Bild-Container (ohne Bild) erkennen Sie am Kreuz in dem Rahmen (links). Es verschwindet, wenn Sie per Drag & Drop ein Bild über dem markierten Container loslassen (rechts).

Das Bild oben zeigt noch einmal die Vorgehensweise zum Einfügen eines Bildes (Rastergrafik): Taste ›i‹ (Image) drücken und Image-Container mit der Maus aufziehen (oben links) Bild per Drag & Drop ziehen und über dem Container loslassen (oben rechts) Eigenschaften »Auf Rahmengröße« (proportional) markieren (unten rechts) oder freie Skalierung wählen, Containergröße verändern, Bild doppelklicken und Bildauschnitt wählen (unten links). Um den gewünschten Bildausschnitt zu erhalten, lässt sich das Bild ggf. über den entsprechenden Dialog verkleinern oder vergrößern).

Bitte beachten Sie, dass Scribus Bilder (Rastergrafiken) nicht importiert, sondern lediglich verlinkt. Das heißt, die Ordnerstruktur ist – wie in Video- oder Audioeditoren – sehr wichtig. Achten Sie deswegen darauf, dass Bilder sich in demselben Ordner wie die *.sla-Projektdatei oder in einem Unterordner befinden (z.B. ›images‹). Denn dann findet Scribus die Bilder auch, wenn Sie den Projektordner verschieben. Sollte ein Bildverweis ungültig sein, lässt sich dieser über Extras –> Bilder verwalten... aktualisieren.

Bedenken Sie bitte, dass Bilder die für Ihre Absichten richtige Auflösung haben müssen. Die Auflösung eines Bildes sehen Sie, wenn Sie in den Eigenschaften –> Bild nachschauen. Verändern lässt sie sich, wenn Sie die Einstellung »Freie Skalierung‹ wählen. Für den Druck sollten Farbbilder eine Auflösung von 300 dpi, für den Monitor 96 dpi haben.

###Vektorgrafiken Im Gegensatz zu Bildern (Rastergrafiken) sind Vektorgrafiken nicht gerastert, sondern bestehen aus geometrischen Formen, Farben und Farbverläufen, die als Gruppe in Scribus im­por­tiert werden. Vektorgrafiken können Sie über Datei –> Importieren –> Vektorgrafik importieren (unten Mitte). Im Bild (unten links) sehen Sie ein kleine Figur und einen Notentext als SVG-Grafik).

Eine Gruppe auflösen, um die einzelnen geometrischen Elemente bearbeiten zu können, können Sie über den Dialog Objekt –> Gruppieren –> Gruppe auflösen oder über die Tastenkompination (strg + Umschalt + g). Die Figur oben rechts zeigt eine markierte Gruppe, in der Abbildung unten links wurde die Gruppe mithilfe der Tastenkombination aufgelöst. Nun können einzelne Elemente gelöscht, bearbeitet und verschoben werden. In der Abbildung unten Mitte wurde der Kopf des Männchens beispielsweise isoliert, gespiegelt (Eigenschaften –> »X, Y, Z« –> Symbol <–>) sowie mit einer weiteren Vektorgrafik kombiniert.

Pfade bearbeiten

Scribus ist eigentlich kein spezialisiertes Programm für Vektorgrafiken wie zum Beispiel Adobe Illustrator oder Inkscape (Open-Source), jedoch sind die Möglichkeiten in Scribus, die Pfade einer Vektorgrafik zu manipulieren, durchaus mächtig (was das Öffnen externer Programme für meisten Arbeiten über­flüssig macht). Die Abbildung oben rechts zeigt den Kopf, der als Gruppe aufgelöst worden ist (strg + Umschalt + g), anschließend wurde auf die Haare doppelt geklickt, wodurch sich der Pfade-Dialog automatisch öffnet. Am Haaransatz sind die blauen Punkte die Pfadpunkte, die sich verschieben, hinzufügen und löschen lassen, die magentafarbenen Punkte sind Kontroll­punkte, um die Linienformen beeinflussen zu können.

In der folgenden Abbildung sehen Sie eine Linie, die mit dem Bézierkurven-Werkzeug (Taste b) erstellt und auf die anschließend doppelt geklickt wurde (drei Punkte auf einer Geraden);

In der Werkzeugleiste finden sich viele weitere Möglichkeiten, Vektorgrafiken zu erstellen:

Farben & Paletten

Scribus hat eine professionelle Farbverwaltung (RGB, YMCK, Lab und HLC), was man nicht vermuten würde, wenn man sich mit den Voreinstellungen die Palette (rechts) ansieht:

Ein Problem in der Praxis: Entweder man lädt eine Palette (und hat anschließend sehr viele Farben, die man selten oder nie benötigt) oder man erstellt Farben, was wiederum recht aufwendig sein kann. Doch das Erstellen einer Palette lässt sich vereinfachen: Erstellen Sie im Internet eine Farbauswahl z.B. mit dem Color Scheme Designer. Machen Sie einen Screenshot und laden Sie das Bild in einen Bildcontainer z.B. neben der Arbeitsfläche (da ist es nicht zu sehen, wenn Sie es später zu löschen vergessen). Aktivieren Sie die Pipette in der Symbolleiste und nehmen Sie eine Farbe der Bildes auf. Es öffnet sich automatisch ein Dia­log, in dem Sie die Farbe benennen können. Die Abbildung unten zeigt, dass die aufgenommene Farbe anschließend in der Palette erscheint. Verfahren Sie auf diese Weise auch mit den restlichen Farben des Bildes. Wenn Sie übrigens eine Vektorgrafik importieren, werden die darin verwendeten Farben automatisch in die Palette übernommen. Auch der einmalige Im­port einer farblich ansprechenden Vek­­torgrafik kann also einiges an Arbeit ersparen.

Farbverläufe

Ein Farbverlauf lässt sich in Scribus recht einfach erstellen:

Links sehen Sie ein Rechteck, das mit einem Farbverlauf gefüllt wurde. Hierzu müssen Sie Eigenschaften –> Farbe –> Füllmodus »Verlauf« wählen, den linken Keil markieren und im Dialog darunter eine Farbe aus der Palette wählen. Wenn Sie anschließend den rechten Keil mit einer Farbe belegt haben, erstellt Scribus den gewünschten Farbverlauf. Für feinere Abstufungen lassen sich weitere Keile erstellen (Klicken) oder löschen (Wegziehen).

Exportieren

Haben Sie die Folien für einen Film in Scribus erstellt, können Sie diese aus Shotcut als Bilder exportieren (Datei –> Exportieren –> Als Bild speichern –> Dateiformat PNG wählen und ggf. »Kein Hintergrund« markieren (Informationen zur Auflösung finden Sie auf S. 2). Wenn Sie den Ordner Ihres Filmprojekts zum Export auswählen (z.B. .../shotcut-projekte/mein-filmprojekt/images/), kopiert Ihnen Scribus die Folien direkt in diesen Ordner und überschreibt nach einem Sicherheitsdialog ggf. vorhandene Dateien.

Achtung, Tipp!
Erfahrungsgemäß kommt es oft vor, dass man in einem Film auf einem Bild einen Fehler findet. Nun können Sie es sich zunutze machen, dass Bilder in einem Film-Editor wie Shotcut nur referenziert (und nicht importiert) werden. Denn wenn Sie die fehlerhaften Bild-Dateien bei einem Export aus Scribus einfach überschreiben und anschließend das Film-Editor-Programm starten, wird dieses natürlich die korrigierten Bilder referenzieren. Hierzu müssen nur die zusammengehörigen alten und neuen Dateien den gleichen Namen haben, was sich von alleine ergibt, wenn Sie in die automatisierte Namensgebung der exportierten Dateien (nach dem Schema ›ScribusDateiname-Seite001.png‹) nicht eingreifen und auch die Reihenfolge der Folien in Scribus nicht verändern. Das Anhängen neuer Folien ist dagegen problemlos möglich, weil hierdurch beim Export keine vorhandenen Dateien überschrie­ben werden.

Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE
Quelle: elmu.online, Artikel »Scribus im Einsatz für ein Filmprojekt«, https://elmu.online/articles/musikhochschule-multimedia-scribus-anleitung-fuer-ein-filmprojekt, 10.07.2020, 21:51
Bearbeitungen durch: ulrich-kaiser