Form analysieren mit AnaVis

AnaVis ist in der Version 1 eine Freeware, mit der sich ohne Vorkenntnisse musikalische Formanalysen erstellen lassen. Darüber hinaus ermöglicht es AnaVis, mehrere Analysen untereinander vergleichend darzustellen, einzelne Formteile gezielt anzuwählen und sekundengenau abzuspielen. Damit ist das Programm bestens für den Einsatz im Musikunterricht in Musikhochschulen und allgemeinbildenden Schulen geeignet. AnaVis v1.0 ist ein Windows-Programm, eine plattformunabhängige Browserversion ist im Beta-Stadium.

Technisches:

  • Betriebssystem: Windows XP/Vista/7/8/10
  • Voraussetzungen .Net-Framwork: 4.5 (Freeware der Firma Microsoft, die ggf. bei der Installation aus dem Internet geladen und installiert wird)
  • Windows Media Player ≥ Version 10.0
  • Lizenz: Freeware
  • Website und Download

Die Idee

AnaVis wurde für den Musikunterricht entwickelt, weil ein lehrerzentriertes Unterrichtsgespräch in der Gehörbildung und Höranalyse besonders heikel ist. Die Angst davor, Details erkennen oder benennen zu müssen, führt leicht dazu, dass Schülerinnen und Schüler nur noch Mimik, Tonfall und die Art des Fragens von Lehrerinnen und Lehrern beobachten, um dann das zu sagen, von dem sie glauben, dass es die Lehrerin oder der Lehrer hören möchte. Dieses Problem löst die Freeware AnaVis, die es Schülerinnen und Schülern ermöglicht, ohne Vorkenntnisse die Formanalyse eines Musikstücks zu erstellen sowie eine eigene Interpretation anschaulich darzustellen.

Zur Methodik

Verschiedene methodische Vorgehensweisen sind möglich:

  • Eine Schülerin/ein Schüler erstellt für ein (bekanntes) Musikstück in AnaVis eine Formanalyse, während die Klasse über den Beamer zuschauen kann. Anschließend ist die Eingabe einer anderen Formauffassung möglich.
  • Alternativ können zuerst von allen Schülerinnen und Schülern im Unterricht Formanalysen auf Papier erstellt und anschließend eine Auswahl der Analysen in AnaVis eingegeben werden (s.o.).
  • Ein Stück wird vereinbart und die Formanalysen werden als Hausaufgabe erstellt. Die Analyse-Dateien werden per Mail vor dem Unterricht an die Lehrerin/den Lehrer geschickt. Ausgewählte Analysen werden dann in der nächsten Stunde vergleichend gegenüber gestellt und besprochen. Ziel ist es, anhand der graphischen Darstellungen von Formverläufen eine sachorientierte Diskussion über die Stimmigkeit verschiedener Formauffassungen führen zu können. Die Lehrkraft übernimmt dabei die Moderation und nicht das Abfragen einer einzigen, "richtigen" Formauffassung.

Die benötigten Programmfunktionen

  • Neue Analyse erstellen und speichern,
  • Sound hinzufügen,
  • Formanalyse erstellen durch Einteilung,
  • die Paletten und das Benennen von Formteilen

Eine neue Analyse lässt sich auf verschiedene Weise erstellen: Auf "Neue Analyse" im Startfenster, das Icon in der Symbolleiste (siehe Abbildung oben) oder im Menü "Start" → "Neue Analyse" klicken. Es erscheint im Hauptfenster ein dunkelblauer Balken, der ein Musikwerk repräsentiert. Um den blauen Balken mit einem konkreten Musikwerk zu verbinden und um die Vorspiel- und Einteilungsfunktionen nutzen zu können, muss eine Audiodatei bzw. ein Sound geladen werden: Klicken Sie hierzu mit der rechten Maustaste auf den dunkelblauen Balken und wählen Sie "Sound". Es öffnet sich ein Dateidialog, über den eine Sounddatei ausgewählt und geladen werden kann. Anschließend wird ein Fortschrittsbalken angezeigt, unter dem sich links die Bedienfelder eines CD-Players befinden (Start, Pause, Stopp) sowie Schaltflächen, mit denen das Musikwerk in Abschnitte unterteilt werden kann.

Sounddateien können in die Analyse (AVD-Datei) fest integriert werden, so dass der Sound beim Kopieren der Analyse an einen anderen Ort nicht verloren geht. Da auf diese Weise jedoch auch die Audiodatei kopiert wird, sollten Sie urheberrechtsgeschützte Klangbeispiele generell nur verlinken (der Sound muss beim Öffnen der Analysedatei dann neu geladen werden). In der folgenden Abbildung werden die Schaltflächen zum Unterteilen eines Musikwerks erläutert:

Beim Abspielen einer Sounddatei wird durch Klicken der ersten Einteilungs-Schaltfläche (Schere) genau an der Abspielposition eine Trennung vorgenommen. Mit der zweiten Schaltfläche wird die Grenze des vorangegangenen Formteils nach rechts verschoben, mit der dritten die Grenze des nachfolgenden nach links. Mit der vierten Schaltfläche wird der aktuell gespielte Formteil mit dem vorhergehenden, mit der fünften mit dem nachfolgenden verschmolzen. Eine Einteilung muss abschließend mit "Übernehmen" dauerhaft gesichert werden. Erst dann erscheinen die Einteilungen in dem Analysebalken und die Formteile lassen sich benennen und auch gezielt abspielen.
Für das Benennen der Formteile einer Analyse können Paletten geladen werden. AnaVis bringt zu vielen Themen des Musikunterrichts schon vorgefertigte Paletten mit:

Achtung: Nach der ersten Installation kann es sein, dass keine angezeigt werden. In diesem Fall muss das oben abgebildete Symbol geklickt werden, um die vorhandenen Paletten zu laden.

In der oben abgebildeten Symbolleiste der Palettenverwaltung kann man (von links nach rechts): eine neue Bezeichnungspalette erstellen, eine Bezeichnungspalette löschen, Paletten im- und exportieren, sortieren und verschieben sowie wiederherstellen (wenn zum Beispiel nach einer Neuinstallation keine Paletten sichtbar sein sollten). Sind die Bezeichnungspaletten geladen, ist das Benennen von Formteilen in einer Analyse sehr einfach:

Durch Rechtsklick mit der Maus auf einen Analysebalken lässt sich eine beliebige Bezeichnungspalette importieren (oben rechts). Anschließend mit Rechtsklick auf den Analysebalken, "Bezeichnung zuweisen" und eine Bezeichnung wählen (un- Schauen Sie sich im Video an, wie Sie Bezeichnungen verändern, neue Bezeichnungen erstellen und Dateien speichern können. ten). Der Abschnitt im Analysebalken erhält dann Namen und Farbe der ausgewählten Bezeichnung.

Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE
Quelle: elmu.online, Artikel »Form analysieren mit AnaVis«, https://elmu.online/articles/musikhochschule-multimedia-analyse-anavis, 25.11.2020, 17:12
Bearbeitungen durch: ulrich-kaiser