Tonsatz-Klausur (Eignungsprüfung LaG) an der HMT München

für die Eignungsprüfung im Studiengang Lehramt am Gymnasium an der Hochschule für Musik und Theater München.

Bereits gestellte Klausuren zum Üben

Allgemeines

Die Pflichtfach-Klausur Tonsatz umfasst die folgenden Themen:

  • Aufgabe 1: Themengebiet ›Vierstimmiger Satz‹
  • Aufgabe 2.1: Themengebiet ›Akkordverbindung/Sequenzen‹
  • Aufgabe 2.2: Themengebiet ›Modulation‹

Themengebiet ›Vierstimmiger Satz‹

Da nicht davon ausgegangen wird, dass Studienbewerberinnen und Studienbewerber vor dem Studium einen vierstimmigen Satz schreiben können, werden die Fragen zu diesem Themengebiet als Multiple-Choice-Aufgaben gestellt. Im Jahr 2018 gab es beispielsweise als Vorgabe den Choral »Valet ich will dir geben« R 314 (= Choral Nummer 314 aus der Richter-Ausgabe).

1. Teilaufgabe: Kadenz ergänzen

Erläutern wir die Aufgabenstellungen an der ersten Teilaufgabe zum ›Vierstimmiger Satz‹ bzw. zum Choralsatz. Gefragt wird danach, welche der auf dem Lösungsbogen abgebildeten Kadenzen an der ersten Fermate (T. 1/2) am besten passt. Auf dem Lösungsbogen sind fünf Kadenzen abgebildet, wobei die Schwierigkeit darin besteht, sich die Kadenzen und den jeweiligen Übergang möglichst genau vorzustellen. In der folgenden Abbildung sehen Sie am Ende der ersten Choralzeile die erste Kadenz des Lösungsbogens:

Bei dieser Lösung könnte Ihnen als erstes der unsinnige Schlussakkord (ein großer Dur-Septakkord) auffallen, der mit Sicherheit nicht die besten Lösung für dieses Choralzeilenende bietet. Darüber hinaus gibt es noch vermindert-reine Quintparallelen zwischen dem Alt und dem Bass und durch den Anschluss wird die Achtelnote fis auf dem zweiten Achtel der dritten Taktzählzeit im Bass zu einer irregulären Dissonanz. Dieses fis erfordert, um eine korrekte Dissonanz zu sein, entweder ein nachfolgendes e (dann wäre es eine Durchgangsdissonanz) oder wieder ein g (dann wäre es Wechselnotendissonanz).

Schauen wir uns die erste Choralzeile mit der zweiten Kadenz des Lösungsbogens an:

An dieser Version gibt es nichts auszusetzen, sie ist entweder von Johann Sebastian Bach selbst oder, da sich der Choral in keiner Kantate nachweisen lässt, von einer fortgeschrittenen Schülerin oder einem fortgeschrittenen Schüler Bachs. Sehen wir uns die erste Choralzeile mit der dritten Kadenz des Lösungsbogens an:

Wenn man am Schluss der Choralzeile die dritte Kadenz des Lösungsbogens ergänzt ergeben sich wieder einige Fehler. Als erstes wird durch den Anschluss die Achtelnote fis auf dem zweiten Achtel der dritten Taktzählzeit im Bass wieder zu einer irregulären Dissonanz (s.o.). Darüber hinaus kann man zwischen Sopran und Alt offene Quintparallelen sehen (cis-fis zu d-g) und die Septime g im Alt (zum a im Tenor) hätte vorbereitet werden müssen (ein Quartvorhalt als Wechselnote ist in dieser Form für Bach untypisch). Für die dritte Kadenz des Lösungsbogens lässt sich daher sagen, dass sie mit Sicherheit nicht »am besten passt«. Wenden wir uns der ersten Choralzeile mit der vierten Kadenz des Lösungsbogens am Ende zu:

In dieser Aussetzung des Schlusses findet sich kaum eine Note, die nicht mit einem Fehler verbunden wäre: zum einen wieder die offene Quintparallele zwischen Sopran und Alt (cis-fis zu d-g), dann eine offene Quintparallele zwischen Alt und Tenor (Achtel fis-h zu e-a) und nicht zuletzt ist der A-Dur-Sextakkord (zweites Viertel des Schlusstaktes) unter der halben Note d im Sopran vollkommen sinnlos. Auch bei dieser Version handelt es sich daher mit Sicherheit nicht um die beste Lösung. Kommen wir zum letzten Beispiel der ersten Aufgabe:

An dieser Lösung ist wiederum nichts auszusetzen. Bach (oder ein Azubi seiner Kompositionswerkstatt) hat diese Kadenz in dem Choral »Valet ich will dir geben« zwar nicht eingesetzt, dafür finden sich Kadenzen dieser Art jedoch in anderen Chorälen der Zeit. Weil Sie das jedoch in der Klausur nicht wissen können und da aus technischer Sicht die Kadenzen Nr. 2 und Nr. 5 des Lösungsbogens gleich gut passen, führt jede der beiden richtigen Lösungen zur vollen Punktzahl.

Bewertung: Eine der beiden richtigen Antwort für diese Multiple-Choice-Aufgabe ergibt 3 Punkte, Werden zwei oder mehr Lösungen angekreuzt (weil jemand zwei oder mehr richtige Lösungen zu erkennen glaubt), wird die Aufgabe mit 0 Punkten bewertet, sobald eine der Lösungen falsch ist.

2. Teilaufgabe: Bassstimme beziffern

In dieser Aufgabenstellung sollen Sie die Kompetenz zeigen, einen kleinen Abschnitt des Choralsatzes harmonisch Analysieren und diese Harmonik durch Generalbassziffern im Sinne des 18. Jahrhunderts chiffrieren zu können. Der entsprechende Abschnitt ist in der Aufgabenstellung eingerahmt, die zu beziffernde Bassstimme finden Sie direkt neben der Aufgabenstellung.

Unter einem Generalbass versteht man eine im 17. und 18. Jahrhundert verbreitete und auch heute noch in der Musikausbildung gepflegte Praxis, in der Basstöne mit der linken Hand und die Akkordgriffe dazu mit der rechten Hand gespielt werden. Und welche Akkorde zu greifen sind, wird über sogenannte Generalbassziffern unter (früher auch über) den Basstönen angezeigt. Wir möchten in der Eignungsprüfung gerne wissen, ob Bewerberinnen und Bewerber für das Lehramt wissen, wie diese Technik prinzipiell funktioniert.
Am wichtigsten ist es zu Wissen, dass es nicht im Sinne der Generalbasspraxis ist, von der Bassstimme aus alle Akkordtöne der Oberstimmen zu beziffern. Das heißt unter anderem, dass nur die Hauptzählzeiten eines Taktes (also im Beispiel des Choralsatzes die Viertel im Bass) beziffert werden und die übrigen Töne zwischen den Hauptzählzeiten aus Durchgangs- oder Wechselnotenerscheinungen interpretiert werden können. Beim Berühren der Abbildung sehen Sie in grüner Farbe, welche Akkorde in dieser Aufgabe zu beziffern sind.

  1. Das cis im Auftakt ist Terz eines A-Dur-Akkordes, es erklingt also ein Sextakkord und die Ziffer für den Sextakkord ist eine 6 (keine 3: Die Terz galt in einem Sextakkord als selbstverständlich und wurde daher nicht als Ziffer notiert, obgleich sie gespielt wurde).
  2. Das d auf der Takteins ist Grundton eines Dur-Dreiklangs. Ein Dreiklang auf der I., IV. und V. Bassstufe war so selbstverständlich, dass er früher nicht beziffert worden ist**, nichts hinzuschreiben ist hier daher die richtige Lösung (und wer die 5 und/oder die 3 schreibt, zeigt, dass er mit der Generalbasstechnik nicht vertraut ist).
  3. Das fis auf der zweiten Zählzeit des ersten Taktes ist Bestandteil eines Sextakkordes und erfordert die Ziffer 6.
  4. Das g auf der dritten Zählzeit des ersten Taktes ist Grundton eines Dur-Dreiklangs und erfordert keine Ziffer.
  5. Das fis auf der vierten Zählzeit des ersten Taktes ist Bestandteil eines Sextakkordes und erfordert wieder die Ziffer 6.
  6. Das dis auf der Takteins des zweiten Taktes ist Terz eines Septakkordes und erfordert die Ziffern 6 und 5. Für die Bezifferung der Terz, die gespielt werden muss, gilt das oben Gesagte.
  7. Das e auf der zweiten Zählzeit des zweiten Taktes ist Grundton eines Moll-Dreiklangs und wurde nicht beziffert.
  8. Um beim letzte Viertel anzugeben, dass ein Dreiklang zu spielen ist, hätte man früher einfach ein # notiert. Damit wäre klar gewesen, »bitte eine große Terz zum h spielen« und das heißt, wenn man nicht von stilistisch untypischen Dissonanzen ausgehen möchte, dass man auf die 5 als eine Selbstverständlichkeit verzichten konnte (i diesem Fall wäre es allerdings auch kein Fehler, die eine 5# zu notieren).

Die Und-Zählzeiten in einem Generalbass müssen nur dann beziffert werden, wenn es für den Klang und den Kontext musikalisch notwendig ist. Oben gibt es drei Fälle (= beim Berühren der Abbildung gelb markiert), die beziffert werden könnten, es in diesem Fall jedoch nicht müssen. An der ersten Stelle hätte man auch eine 7b oder 7 mit Auflösungszeichen vermerken können, an der zweiten ein 3-4#-6, an der dritten ein 2-4-6b oder 2-4-6 mit Auflösungszeichen). Aber wie gesagt wäre es auch nicht falsch, diese Stellen als Durchgänge zu interpretieren.

Bewertung: Eine Chiffrierung nicht gewertet, sobald falsche oder unnötige Ziffern notiert werden (denn die zeigen, dass Sie mit der Generalbasstechnik nicht vertraut sind). Bis zu acht richtige Chiffrierungen mit jeweils 0,25 Punkten können in die Bewertung einfließen. Eine vollständig richtige Lösung ergibt daher zwei Punkte (von 25 Punkten).

Weitere Informationen und Materialien sowie eine Testmöglichkeit für Ihr wissen finden Sie auf musikanalyse.net.

3. Teilaufgabe: Auswählen einer richtigen Bassstimme

In dieser Aufgabe sollen Sie erkennen, welche Bassstimmen unter einer bestimmten Choralzeile am besten passt. Sie haben fünf Bassstimmen zur Auswahl:

Schauen wir uns auch für diese Teilaufgabe die Lösungen im Einzelnen an, wobei die Schwierigkeit wieder darin besteht, sich die Melodiezeile mit der jeweiligen Bassstimme möglichst genau vorzustellen (in der Prüfung steht Ihnen übrigens ein Skizzenblatt zur Verfügung, auf dem Sie die verschiedenen Kombinationen aus Melodie und Bass notieren können). Die Choralzeilenvorgabe (die dritte Choralzeile bzw. T. 4–6 der Vorgabe) würde mit der auf dem Lösungsbogen abgebildeten ersten Bassstimme wie folgt klingen:

In diesem Fall ergeben sich beim Taktübergang offene Quintparallelen zum Sopran, weswegen sich diese Lösung als eine, die am besten passt, natürlich ausscheidet. Die Choralzeile mit der zweiten Bassstimme klingt hingegen fehlerfrei, es handelt sich bei dieser Lösung um den originalen Außenstimmensatz für diese Zeile:

Die Lösung mit dem dritten Bass des Lösungsbogens weist wiederum Fehler auf, und zwar zwei offene Oktavparallelen hintereinander zwischen Sopran und Bass (im Beispiel wieder rot markiert):

Außerdem klingt es in dieser Fassung gewöhnungsbedürftig, dass der Schlussakkord nicht über ein eis erreicht wird, denn dem abschließenden fis-Moll-Akkord fehlt dadurch eine Dominante (Cis-Dur). Die Lösung mit der vierten Bassvorgabe ist ebenfalls fehlerhaft:

Der Fehler liegt in diesem Fall im harmonischen Bereich: Beim h im Bass auf dem dritten Viertel erwartet man durch das vorangehende ais einen h-Moll-Akkord, der aber durch das e der Melodie nicht eingelöst wird. Man könnte vielleicht noch argumentieren, dass dass e ein relativ langer Quartvorhalt sei, dessen Auflösung dann schon mit dem nächsten Fundament zusammenfallen würde, Dem e-Moll-Septakkord würde dann aber nicht der erwartete Quintfall folgen usw. Wie man es dreht und wendet: Dieses Beispiel bleibt problematisch, weswegen es mit Sicherheit nicht die beste Lösung zeigt. Mit der fünften Bassstimme sind im Zusammenklingen mit der Melodie keine Fehler zu hören:

Diese Fassung ist schlicht und sicherlich nicht so schön wie die originale Bassstimme bzw. die Lösung 2. Aber da sie keine Fehler aufweist und das Schlichte ja durchaus gewollt sein könnte, würden Sie auch beim Ankreuzen dieser Lösung die volle Punktzahl erhalten.

Bewertung: Eine der beiden richtigen Antworten für diese Multiple-Joice-Aufgabe ergibt 3 Punkte, sobald eine Lösung falsch ist, wird die Aufgabe mit 0 Punkten bewertet.

4. Teilaufgabe: Kadenz ergänzen

Diese Aufgabe entspricht der ersten und ist daher ein Bonus für diejenigen, die sich mit Kadenzen gut auskennen und eine zusätzliche Schwierigkeit, wenn dem nicht so ist. Da jedoch Kadenzen überaus wichtige Ereignisse in tonaler Musik sind, entspricht die Verdopplung der Aufgabe dem Gewicht dieser Thematik. Wenn Sie mehr über Kadenzen im Choralsatz wissen möchten, finden Sie auf musikanalyse.net weitere Informationen.

Bewertung: Eine richtige Antwort für diese Multiple-Choice-Aufgabe ergibt 3 Punkte, sobald eine Lösung falsch ist, wird die Aufgabe wie gehabt mit 0 Punkten bewertet.

5. Teilaufgabe: Choralzeile aussetzen

Die letzte Aufgabe ist anspruchsvoll, daher können Sie mit einer guten Lösung bis zu 4 Punkte erhalten. Hierzu müssen Sie eine kurze Choralzeile vierstimmig aussetzen, wobei Sie sich sowohl an der Vorgabe und den richtigen Lösungen orientieren können. Da es hier verschiedene und auch gleich gute Möglichkeiten gibt, bekommen Sie an dieser Stelle keine Musterlösung. Zu diesem Thema gibt es jedoch sowohl frei verfügbare Materialien im Internet als auch gute Monographien. Wenn Sie mehr zu diesem Thema lernen möchten, können sie das auf musikanalyse.net.

2. Themengebiet ›Sequenzen‹

1. Teilaufgabe

Das Thema Sequenzen ist für tonale Musik sehr wichtig. Dabei existiert meiner Erfahrung nach ein begriffliches Problem, da in Schulen oftmals der Begriff ›Sequenz‹ nur für melodische Phänomene verwendet wird, in der musikalischen Analyse mit Sequenz ein melodisch-harmonischen Sachverhalt bezeichnet wird. Deswegen heißt es in der Aufgabenstellung explizit:

Arbeiten Sie die gegebene Vorgabe zu einer drei Takte langen harmonisch-tonalen Sequenz aus (Vorzeichen für Zwischendominanten können verwendet werden).

Die Vorgabe ist dabei bewusst sehr kurz gehalten, so dass Sie viele Gestaltungsmöglichkeiten haben, wenn Sie wissen, was eine harmonisch-tonale Sequenz ist (und wenn Sie eine der bekannteren Sequenzmodelle wie z.B. die Quintfallsequenz kennen):

Wenn Sie die Abbildung berühren, sehen Sie noch einmal die Erläuterung, dass ein einfaches reales Sequenzieren von Melodie und Bass hier nicht gemeint ist, sondern dass die Sequenz sich melodisch-harmonisch in eine Tonalität wie z.B. der Vorgabe A-Dur einfügen soll. Versuchen Sie sich das vorgegebene Motiv (dass bewusst sehr einfach gehalten ist) vorzustellen und eine Weiterführung innerlich vorauszuhören:

Mit diesem Motiv können Sie zum Beispiel eine Quintfallsequenz ausarbeiten:

Achten Sie dabei auf die Struktur der Melodie: Hier wechseln sich zwei Motive ab (das vorgegebene Motiv a und ein frei erfundenes Motiv b). Beide Motive- werden in den darauffolgenden Takten stufenweise abwärts sequenziert. Genauso verhält es sich mit der Harmonik, denn im ersten Takt sehen Sie einen Quintfall A-Dur/D-Dur), der ebenfalls in den darauf folgenden Takten stufenweise abwärts sequenziert wird (gis-vermindert/cis-Moll zu fis-Moll/h-Moll). Dabei ist es explizit nicht notwendig, den Abschnitt musikalisch zu beenden, wir wollen lediglich sehen, dass Sie wissen, was in der Musik eine harmonisch-tonale Sequenz ist. Wenn Sie mehr über die Quintfallsequenz wissen wollen, können Sie hierzu das entsprechende Tutorial auf musikanalyse.net lesen.

Sie könnten jedoch den Quintfall statt stufenenweise abwärts auch stufenweise aufwärts sequenzieren, zum Beispiel:

In dieser Sequenz sehen Sie zwar Vorzeichen, die Beziehen sich jedoch nur auf dominantische Akkorde vor den jeweiligen Zielstufen: H-Dur ist Dominante zu e-Moll und Cis-Dur ist Dominante zu fis-Moll. Betrachten Sie hingegen nur die Zielstufen D-Dur, e-Moll und fis-Moll, dann befinden Sie sich in der Tonart D-Dur, was zwar nicht direkt mit der A-Dur-Vorzeichnung zusammenpasst, jedoch im Rahmen der Tonart A-Dur denkbar wäre (z.B. in einer Region der Subdominante). Auch diese Sequenz wäre daher richtig, mehr dazu können Sie hier erfahren.

In der folgenden Lösung wird der Quintfall A-Dur/D-Dur terzweise aufwärts sequenziert (zu Cis-Dur/fis-Moll und E-Dur/A-Dur):

Diese Sequenz ist wieder in A-Dur möglich, allerdings ergibt sich zum Schluss ein kleines Problem mit dem Umfang, da die Melodie zum Schluss recht hoch liegt. Erfreulicher Weise muss die Sequenz und das Musikbeispiel nicht weitergeführt werden, spätestens mit dem nächsten Sequenzglied wäre die Klanglage noch problematischer geworden. Versuchen Sie, den Quintfall A-Dur/D-Dur terzweise abwärts zu sequenzieren. Technisch ist das gut möglich, in welcher Tonart wäre diese Sequenz denkbar? Lässt sich diese Tonart auf die Vorzeichnung von drei Kreuzen sinnvoll beziehen?

Wenn Sie einen Überblick über die verschiedenen harmonisch-tonalen Sequenz bekommen möchten, können Sie hier mehr darüber erfahren.

Gesamtbewertung der Aufgabe 2.1: Für die Ausarbeitung einer harmonisch-tonalen Sequenz ohne satztechnische Fehler erhalten Sie maximal 5 Punkte von 25 Punkten.

2. Themengebiet ›Sequenzen‹

2. Teilaufgabe: Modulation

Gegeben sind eine musikalische Anfangsphrase sowie kontrapunktisch-harmonische Modelle. In dieser Aufgabe sollen Sie nun den Anfang unter Zuhilfenahme von mindestens zwei der abgebildeten Modelle weiterführen und mit einer zu der Vorgabe passenden Kadenz in einer der Ausgangstonart nahe stehenden Stufe enden. Es gibt verschiedene Lösungen, von denen Sie eine direkt in die leeren Notensysteme der Eignunsgprüfungsklausur eintragen sollen (nicht auf gesondertes Papier!). Im Jahr 2018 wurden die folgenden Satzmodelle gegeben und mit der Aufgabe verbunden, in die II. Stufe g-Moll zu modulieren:

Machen Sie sich am besten als erstes klar, wie diese Satzmodelle funktionieren:

  1. Das Satzmodell Anfang verwenden Sie bitte nur zum Anfang.
  2. Das Satzmodell 1 beginnt in F und endet in C, dass heißt mit diesem Modell können sie eine Quinte nach oben gelangen (Oberquintmodulation).
  3. Das Satzmodell 2 ist der Beginn einer Quintfallsequenz, die zur Modulation eingesetzt werden kann, häufig jedoch nicht zum Modulieren, sondern zur Bekräftigung einer Tonart verwendet wird.
  4. Das Satzmodell 3 beginnt in F, von wo aus Sie zuerst die Oberquarte B, dann die Oberquinte C und wenn Sie das Modell weiterführen, die Obersexte d erreichen würden.

Die Aufgabenstellung ermöglicht es Ihnen, eine schöne Figur mit vier Bausteinen zu bauen. Zum Beispiel könnten Sie nach dem Anfangsmodell die Ausgangstonart F-Dur durch die Quintfallsequenz (Satzmodell 2) bestätigen, mit dem Oberquint-Modulationsmodell (Satzmodell 1) nach C-dur gelangen und von dort über die Oberquarte F-Dur in die Oberquinte g-Moll (Satzmodell 3), die sie dann nur noch mit einer Kadenz bekräftigen müssen. Eine solche Modulation würde so klingen:

Auch andere Figuren sind mit den vier Bausteinen möglich. Zum Beispiel könnten Sie nach dem Anfangsmodell gleich in die Oberquinte C-Dur modulieren und von dort über die Quarte F-Dur zur Quinte g-Moll gelangen. Hier könnten Sie nun das Satzmodell 2 bzw. die Quintfallsequenz zur Bestätigung der Tonart g-Moll einsetzen, wozu Sie dieses Modell transponieren müssten (auf die Möglichkeit der Transposition wird in der Aufgabenstellung explizit hingewiesen). Diese Modulation würde so klingen:

Lassen Sie uns noch eine letzte Figur aus den vier Bausteinen bauen: Zum Beispiel könnten Sie wie bereits in der ersten Lösung nach dem Anfangsmodell eine tonartbestätigende Quintfallsequenz (Satzmodell 2) einsetzen, danach in die Oberquarte B-Dur und die Oberquinte C-Dur gelangen (Satzmodell 3) und, da die Zieltonart g-Moll eine Quinte über C-Dur liegt, im Anschluss daran mithilfe des Oberquintmodulationsmodells (Satzmodell 1) g-Moll herbeiführen (dass Satzmodell 1 müssen Sie hierzu transponieren). Abschließend ergänzen Sie wieder eine Kadenz, diese Modulation würde wie folgt klingen:

Die Modulationsaufgaben der Eignungsprüfung ist keine Kompositionsaufgabe. Wir möchten gerne sehen, dass Sie erkennen, wie bestimmte musikalische Vorgaben funktionieren und wie Sie diese Vorgaben einsetzen, um eine Aufgabe zu lösen. Wenn Sie sich das erste Beispiel anschauen, können Sie sehen, dass es in der Eignungsprüfung 2018 sogar eine Lösung gab, für die Sie alle Modelle so verwenden konnten, wie sie vorgegeben wurden (also ohne die Schwierigkeit, ein Satzmodell transponieren zu müssen).
Wenn Sie eine nahe liegende Möglichkeit ohne Fehler aufschreiben, wird das sehr gut bewertet (und nicht etwa als fehlende Kreativität negativ zu Buche schlagen). Sollten Sie ihre Kreativität jedoch nicht zügeln können und bei der Lösung viele Fehler machen, würden die Fehler zu einer schlechten Bewertung führen.

Gesamtbewertung der Aufgabe 2.2: Für die Ausarbeitung einer fehlerfreien Modulationen unter Verwendung der vorgegebenen Satzmodelle erhalten Sie maximal 5 Punkte von 25 Punkten.

Wenn Sie sich über Satzmodelle informieren möchten, finden Sie hier eine Übersicht. Das Modulieren mit Satzmodellen können Sie hier üben.

Die Bewertung

Um unsere Bewertung Ihrer Leistungen transparent zu gestalten, so dass Sie sich gut auf die Eignunsgprüfung ›Tonsatz‹ vorbereiten können, finden Sie hier unseren Bewertungsmaßstab für diese Form der schriftlichen Prüfung:


  • Themengebiet ›Vierstimmiger Satz‹
    • Kadenz ergänzen = 3 Punkte
    • Generabassziffern ergänzen = 2 Punkte
    • Bassstimme ergänzen = 3 Punkte
    • Kadenz ergänzen = 3 Punkte
    • Choralzeile aussetzen = 4 Punkte
  • Sequenz
    • Motiv zu einer harmonisch-tonalen Sequenz ausarbeiten = 5 Punkte
  • Modulation
    • mithilfe von Satzmodelle modulieren = 5 Punkte

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Maximal erreichbare Punkte: 25


Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung und wünschen Ihnen gutes Gelingen!