ABC-Notation


Rechtliche Anmerkung:

Auf elmu dürfen keine Notenabbildung von Werken verwendet werden, die urheberrechtlich geschützt sind. Das gilt für alle Werke, deren Urheber noch nicht länger als 70 Jahre tot sind (also z.B. für das gesamte Repertoire der Jazz-, Pop- und Rockmusik sowie der Neuen Musik). Da ein ABC-Quelltext als Notenabbildung erscheint, ist es auch nicht zulässig, den Quelltext für entsprechende Werke in ABC-Notation auf elmu zu veröffentlichen. Ausnahmen bilden Wiedergaben im Rahmen des Zitatrechts.
Bitte bedenken Sie, dass Zitate immer eine innere Verbindung zwischen den verwendeten Werkteilen (als Belegstelle) und den selbstständigen Erörterung zu dem Werk erfordern. Der Zusammenhang zwischen zitiertem Werk und zitierendem Werk muss dabei immer und unmittelbar ersichtlich sein. Im Zweifelsfall wenden Sie sich bitte an die elmu-Redaktion.


Einführung

ABC-Notation ist ein offener Standard, über den sich Text in Musiknoten verwandeln lässt und ABC-Notentext ist einfach zu verstehen. Die folgende Anleitung wird Ihnen helfen, auf elmu Notenbeispiele erstellen zu können, ohne ein Notationsprogramm einsetzen zu müssen.

Das elmu-Plugin für ABC-Notation besteht aus einem einfachen Textfeld, einem Schalter, um Sound für das Notenbeispiel abspielen zu können sowie einem Schieberegler, mit dem sich die Anzeigenbreite des Notenbeispiels verändern lässt:

Der folgende Textabschnitt zeigt einen einfachen ABC-Code:

X:1
C,,D,,E,,F,,G,,A,,B,,C,D,E,F,G,A,B,CDEFGABcdefgabc'

Dieser kurze Textabschnitt erzeugt die folgende Notenabbildung im SVG-Format und ggf. auch eine Sound-Ausgabe:

Aufbau einer ABC-Noteneingabe:
Eine ABC-Eingabe besteht aus einem sogenannten HEADER und einem Bereich für die Noteneingabe. Die erste Zeile eines Headers sollte mit X: und einer Zahl beginnen (die ein neues Musikstück anzeigt und zur Identifizierung der Notenabbildung auf der Seite dient). Auf elmu kann hier immer X:1 verwendet werden. Nach einem HEADER kommt die Noteneingabe, also Notennamen, Kürzel für die Oktavlage (eine Keyboard, dass die ABC-Notennamen anzeigt, finden Sie hier), Schlüssel- und Artikulationszeichen usw. Kürzel für HEADER-Angaben sind:

T: für den Titel eines Musikstücks
T: eine weitere T-Zeile für den Untertitel C: Zeile für die Komponisteneingabe (Composer)
O: für eine Entstehungsangabe
N: ggf. Angabe, die eine Transposition anzeigt
M: Taktangabe (2/4 oder 4/4, letzteres auch als C, ein Alla-breve-Takt auch als C| möglich)
L: Gibt einen Grundwert für Noten an
Q: Tempoangabe
K: Tonartenangabe (z.B. G, Gm, Gb oder G#), auch mit expliziter Schlüsselangabe möglich z.B.: K:C bass oder K:C clef=alto (vgl. hierzu auch den nächsten Abschnitt)

Die K-Angabe muss die letzte Zeile des HEADERS sein. Einen ausführlicheren HEADER zeigt die folgende Texteingabe:

T:Beispiel
T:in C-Dur C: Ulrich Kaiser
O: *1963
M:4/4
L:1/4
Q: 1/4=120
K:C
C2DE|FGAB|c2de|fgab|c'2ba|gfed|c2BA|GFED|C4

Diese Eingabe führt zu der folgenden Notenabbildung:

Notenwerte, Pausen und Schlüssel

Notenwerte: Der Noten-Grundwert wurde für das Beispiel oben mi L:1/4 (= Viertelnote) angegeben. Die halbe Note am Anfang wird als C2, die ganze Note am Ende mit C4 chiffriert (Grundwert multipliziert mit Zahl), die Achtel und Sechzehntel am Ende des folgenden Beispiels mit g/2, a/4 und b/4 (Grundwert geteilt durch Zahl). Die Tonhöhen b bezeichnet wie im Englischen die Tonhöhe h.
Pausen: Pausen werden durch ein z (mit und ohne Multiplikations- oder Divisionszahl) chiffriert.
Schlüssel: Darüber hinaus veranschaulicht das nächste Beispiel auch Schlüsselangaben bzw. wechsel (mögliche Schlüssel: treble, alto, tenor, bass und perc):

T:Schlüssel
M:C
L:1/4
K:C bass
C,2D,E,|F,G,[K: tenor]A,B,|[K: alto]CD[K:treble-8]ef|[K: treble]GABz|z2fg/2a/4b/4|c'4

Achtung! Dem Beispiel oben können Sie entnehmen, dass der oktavierende Violinschlüssel keine Auswirkungen auf die Wiedergabe hat (wie z.B. auch in Sibelius), das heißt, eine automatisch korrekte (oktavtransponierte) Wiedergabe der mit oktaviertem Violinschlüssel notierten Ereignisse erfolgt leider nicht.

Triolen und Duolen

Triolen und Duolen orientieren sich wie die Notenwerte am Grundwert, der sich auch im folgenden Beispiel wieder auf die Viertelnote bezieht. Eine Triolen- oder Duolennotation beginnt mit der runden (öffnenden) Klammer, die folgende Textangabe veranschaulicht eine komplexere rhythmische Eingabe:

Versetzungszeichen

Versetzungszeichen werden vor einer Note durch das

^-Zeichen (Zirkumflex = #-Vorzeichnung), das
_-Zeichen (Unterstrich = b-Vorzeichnung) oder das
=-Zeichen (Gleichheitszeichen = Auflösungszeichen) notiert.

Die folgende Eingabe

X:1
T:Versetzungszeichen
M:C
L:1/4
K:C
D ^D =E ^E | F G ^G A | _B =B =c ^c | d A F D |

führt daher zu der folgenden ABC-Notenausgabe:

Taktstriche

Am Ende des Beispiels oben ist ein Doppelstrich zu sehen. Für die Eingabe als senkrechter Striche gilt:

| = einfach Taktstrich
|| = doppelter Taktstrich
] = dicker Taktstrich
|] = Schlussstrich

Anders als in einem Notationsprogramm muss bei der ABC-Eingabe immer auf korrekte Setzung der Taktstriche geachtet werden, denn ABC-Code ist auch dann gültig bzw. wird ohne Fehler ausgegeben, wenn die Taktstriche in Bezug auf die Taktangabe falsch gesetzt worden sind. Das folgende Beispiel veranschaulicht diesen Sachverhalt:

Fähnchen und Balken

Werden Tonbuchstaben, die Achtel, Sechzehntel oder kleinere Noten repräsentieren, ohne Abstand notiert, werden diese in der Notenabbildung zu Achteln mit Balken (vgl. das erste Beispiel dieser Anleitung). Ein Leerzeichen zwischen den Buchstaben führt zu einer Unterbrechung des Balkens. Einzeln vorkommende Achtel, Sechzehntel oder kleinere Noten werden auch ohne Leerraum mit Fähnchen gezeichnet, z.B. erzeugt der folgende Text:

X:1
T:Fähnchen und Balken
M:C
L:1/8
K:C
c2 cdef g2 | g2 gfed c2 || c2 c d e f g2 | g2 g f e d c2 ||
c2 cdzf g2 | G2 GFzD C2 || c2 c def g2 | g2 g fe d c2 ||

die folgende Notenausgabe:

Halte- und Bindebögen

Haltebögen werden durch ein --Zeichen nach der Note an der der Haltebogen beginnt, eingegeben. Legatobögen lassen sich angeben, indem die Noten, die gebunden werden sollen in ()-Klammern gesetzt werden. Das folgende ABC-Code veranschaulicht das Setzen von Bögen

X:1
T:Halte- und Bindebogen
M:C
L:1/4
K:F
F4- | FFGA | _B4- | _B2 c2 | (fe)(dc) | (_BAGF) |]

und führt zu der folgenden Notenausgabe:

Achtung! Halte- und Bindebögen sind sich optisch recht ähnlich, in ihrer musikalischen Bedeutung jedoch vollkommen verschieden. Achten Sie darauf, den Haltebogen nur zur Verlängerung eines Notenwertes (also nur für benachbarte Noten gleicher Tonhöhe) und den Bindebogen für die Artikulation verschiedener Noten (in der Regel mit unterschiedlicher Tonhöhe) zu verwenden.

Mehrere Stimmen in einem System

Mit ABC-Notation lassen sich über die %%score-Anweisung auch mehrere Stimmen in einem System notieren. Für die %%score-Anweisung sind verschiedene Werte möglich:

  • %%score 1 2 3: drei Stimmen erscheinen in drei Systemen untereinander
  • %%score (1 2): zwei Stimmen im gleichen Notensystem
  • %%score [(1 2) 3 ]: zwei zusammengehörige Systeme mit zwei Stimmen im ersten System und einer Stimme im zweiten
  • %%score {(1 2) 3 }: zwei zusammengehörige Systeme mit Klavierklammern mit zwei Stimmen im ersten System und einer Stimme im zweiten
  • %%score {(1 2) | 3 }: Das Pipe-Zeichen (= |) zwischen Stimmen bewirkt durchgehende Taktstriche

Im HEADER des nächsten Beispiels sehen Sie eine %%score-Anweisung mit dem Wert [(1 2) 3], was eine Partitur mit zwei Systemen, zwei im ersten System und eine im zweiten System:

X:2
%%score [(1 2) 3]
M:C
L:1/4
K:C
V:1
A2 d2- | dc BA | G2 c2- | c B/2A/2 B2 | c4 |]
V:2
z2 D2 | G3 F | E2- E D/2C/2 | D4 | E4 |]
V:3 bass
z4 | B,2 E2- | E D C2 | G,4 | C4 |]

Dieser Quellcode führt zu der folgenden Ausgabe:

Stimmenbezeichnungen, Wiederholungszeichen und Volta-Klammern

Das folgende Beispiel zeigt im HEADER Stimenbezeichnungen nach dem V-Feld, folgende Werte sind möglich:

  • V:1 name="Melodie" bewirkt eine Stimmenbezeichnung vor dem oberen System der ersten Notenzeile
  • V:2 name="Bass" bewirkt eine Stimmenbezeichnung vor dem unteren System der ersten Notenzeile
  • V:1 sname="M." bewirkt ein Kürzel in allen folgenden Notenzeilen vor dem oberen System
  • V:2 sname="B." bewirkt ein Kürzel in allen folgenden Notenzeilen vor dem unteren System

Quellcode:

X:1
%%score 1 2
T:Stimmenbezeichnungen
T:mit Wiederholungszeichen und Volta-Klammern
M:C
L:1/4
K:C
V:1 name="Melodie" sname="M."
E G c e | G c e g | f d G d | [1 e c G F :| [2 c2 C2 |]
V:2 bass name="Bass" sname="B."
C,4 | E,4 | G,4 | [1 C,4 :|] [2 C,4 |]
%
V:1
||: E G c e | G c e g | f d G d | [1 e c G F :| [2 c2 C2 |]
V:2
||: C,4 | E,4 | G,4 | [1 C,4 :|] [2 C,4 |]

Text

Der folgende Text zeigt den HEADER und Notationsbereich für eine Eingabe eines Notensystems mit Liedtext:

X:1
%%vocalfont Helvetica 10
%%wordsfont Helvetica 12
T:Winter ade
C:Worte: H. Hoffmann v. Fallersleben (1798-1874)
C:Weise: Fränkisches Volkslied
M:3/4
L:1/4
Q:1/4=100
K:G
V:1
BBA | G2 z | BBA | G2 z | Bcd | d (c/2B/2) c |
w:1.~Win- ter a- de! Schei- den tut weh; a- ber dein Schei- den_ macht,
ABc | c (B/2A/2) B | BBc | d3 | BBA | G2 z |]
w: daß mir das Her- ze_ lacht. Win- ter, a- de! Schei- den tut weh!
%
W:2. Winter ade! Scheiden tut weh!
W: Gerne vergess' ich dein, kannst immer ferne sein.
W: Winter ade! Scheiden tut weh!
W:
W:3. Winter ade! Scheiden tut weh!
W: Gehst du nicht bald nach Haus, lacht dich der Kuckuck aus.
W: Winter ade! Scheiden tut weh!

Diese Texteingabe führt zu der folgenden Notenausgabe:

Lead-Sheet und Begleitung

Werden zu einer einstimmigen Vorgabe Changes angegeben, improvisiert abc.js eine einfache Begleitung. Die Akkordsymbole (z.B. C, Am, Eb, oder F#m etc.) können dabei am einfachsten nach dem HEADER bzw. vor den jeweiligen Tonbuchstaben in Anführungszeichen eingegeben werden:

X:1
T:Winter ade
%%vocalfont Helvetica 10
M:3/4
L:1/4
Q:1/4=100
K:G
V:1
"G" BB "D" A | "G" G2 z | "G" BB "D" A | "G" G2 z | "G" Bcd | "C" d (c/2B/2) c |
w:1.~Win- ter a- de! Schei- den tut weh; a- ber dein Schei- den_ macht,
"D" ABc | "G" c (B/2A/2) B | "G" BBc | "G" d3 | "D" BBA | "G" G2 z |]
w: daß mir das Her- ze_ lacht. Win- ter, a- de! Schei- den tut weh!

Auf die Art der Begleitung hat man dabei wenig Einfluss, im Dreivierteltakt wird eine Walzer-, im Zweivierteltakt eine Ragtime- und im Vervierteltakt eine Wechselbass-Begleitung hinzugefügt, z.B.:

X:1
T:Winter ade
%%vocalfont Helvetica 10
M:3/4
L:1/4
Q:1/4=100
K:G
V:1
"G" BB "D" A | [M:2/4]"G" G2 | [M:3/4] "G" BB "D" A | [M:2/4] "G" G2 | [M:C] "G" BB(cd) | "C" (dc)Bc |
w:1.~Win- ter a- de! Schei- den tut weh; a- ber dein_ Schei-- den macht,
"D" A(AB)c | "G" (cB)AB | [M:3/4] "G" BBc | [M:2/4] "G" d2 | [M:3/4] "D" BBA | [M:2/4] "G" G2 |]
w: daß mir_ das Her-- ze lacht. Win- ter, a- de! Schei- den tut weh!

Ein komplexeres Beispiel

Die fünfstimmige Motette So fahr ich hin zu Jesu Christ ist eine der bekanntesten Motetten aus der Geistliche Chormusik, die Heinrich Schütz 1648 veröffentlicht hat. Sie dient an dieser Stelle als Beispiel für eine komplexere Noteneingabe mithilfe des ABC-Plugins auf elmu.online und zeigt sehr schön die Stärken (und auch Schwächen) der ABC-Notation:

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Ulrich Kaiser, 2019

Weitere Hilfen

Sinn dieses Tutorials ist es, einen schnellen Einstieg in die ABC-Notation zu ermöglichen, damit Sie auch ohne Kenntnisse von Notations- und Bildbearbeitungssoftware auf elmu mitarbeiten können. Falls Sie Interesse haben, tiefer einzusteigen und sich mit dem Thema AC-Notation eingehender beschäftigen möchten, finden Sie nachstehend ein paar nützliche Links:

Programme

Wenn Sie es zu unbequem finden, die ABC-Notation direkt in das entsprechende elmu-Plugin einzutragen, können Sie auch kostenlose Software nutzen, um den ABC-Quellcode zu erzeugen und ihn dann per Copy&Paste in das entsprechende Eingabefeld auf elmu zu kopieren, Nachfolgend finden Sie ein paar Links zum Thema ABC-Software:

  • Easy ABC von Nils Liberg unter GNU Public Licence
  • MC Musiceditor. Zum MC Musiceditor gehört ein ABC-Editor, Postscript-Viewer sowie MIDI-Player.
    (Der Autor versucht zwar, einen eigenen Stil der ABC-Musiknotation zu etablieren, der Editor funktioniert jedoch auch mit ganz normalen ABC-Quelltext.)
  • ABC Explorer Windows-Editor zum Erstellen, Bearbeiten, Spielen, Drucken, Konvertieren und Organisieren von ABC-Dateien

Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE
Quelle: elmu.online, Artikel »Hilfe zur ABC-Notation«, https://elmu.online'/articles/hilfe-abcnotation, 9.12.2019, 4:52
Bearbeitungen durch: ulrich-kaiser